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Zyklus & Business: Warum dein Energielevel kein Zufall ist

    Ein Gespräch mit der Wiener Gründerin Sissi über zyklusbasiertes Arbeiten, Selbstzweifel und ein System, das Frauen ausbremst

    Es gibt diese Momente im Business, die viele Frauen kennen – aber kaum jemand ausspricht.
    Tage, an denen alles leicht geht. Und dann wieder Tage, an denen selbst kleine Aufgaben schwer wirken.

    Was, wenn das kein Zufall ist?

    Wir haben mit der Wiener Unternehmerin Sissi, Gründerin von Femergency, darüber gesprochen, wie der weibliche Zyklus unseren Arbeitsalltag beeinflusst – und warum so viele Frauen glauben, das Problem läge bei ihnen.

    „Ich dachte, ich bin einfach unmotiviert“

    Female Power: Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass dein Zyklus deinen Arbeitsalltag wirklich beeinflusst – und nicht nur „so ein Gefühl“ ist?

    Sissi:
    „Tatsächlich kam das eher schleichend. Ich habe erst mit 30 Jahren gelernt, dass es unterschiedliche Phasen gibt und jede Phase eine andere Hormonzusammensetzung mit sich bringt. Sukzessive sind mir dann immer mehr Lebensbereiche aufgefallen, die vom Zyklus beeinflusst werden. Das hat mir persönlich extrem geholfen, da ich gegen Ende des Zyklus oft nicht die Motivation hatte, Dinge zu unternehmen, Sport zu treiben oder auch zu arbeiten.

    Ich habe mich selbst ziemlich verurteilt, dass ich plötzlich ganz anders drauf bin als noch vor zwei Wochen. Als mir dann aber klar geworden ist, dass mein Zyklus meine Energie beeinflusst und vor allem gegen Ende einfach sehr viel Energie innerhalb des Körpers benötigt wird, hat sich dieser Frust mehr oder weniger aufgelöst, da ich nicht mehr gegen meinen Körper gearbeitet habe.“

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    Wenn „durchziehen“ plötzlich nicht mehr funktioniert

    Female Power: Gab es einen Punkt, an dem du gemerkt hast: So wie ich arbeite, kann ich langfristig nicht weitermachen?

    Sissi:
    „Am Anfang meiner Selbstständigkeit mit femergency habe ich versucht, meine Gewohnheiten aus der Anstellung zu übertragen. In der Anstellung hatte ich meine fixen Arbeitszeiten und bin nach Hause gegangen, sobald die Arbeit fertig war. Diese Arbeitsweise habe ich versucht in meiner Selbstständigkeit weiterzuführen – bis zu dem Punkt, dass ich mich beinahe ausgebrannt habe.

    Nach der Erkenntnis, dass die Arbeit in der Selbstständigkeit nie fertig ist, kam die Erkenntnis, dass mir gewisse Aufgaben in bestimmten Phasen einfacher fallen. Also habe ich mir einen Plan zurechtgelegt, der meinen Zyklus berücksichtigt.“

    Vom Produkt zur Aufklärungsmission

    Female Power: Was hat dich konkret dazu gebracht, aus diesem Thema ein Business zu machen – und nicht nur dein eigenes Leben anzupassen?

    Sissi:
    „Meine ursprüngliche Idee war ein Carepack für die Periode im Abo – ohne selbst zu wissen, dass es einen Zyklus gibt und was der alles beeinflussen kann. Während ich den Businessplan dafür geschrieben habe, konnte ich immer mehr über den Zyklus lernen.

    In Gesprächen kam dann außerdem heraus, dass viele über den Zyklus im Grunde nichts wussten. So ist für mich der Aufklärungsfaktor dazu gekommen. Ursprünglich wollte ich einfach eine Idee umsetzen, um zu sehen, wie weit ich damit komme. Doch mittlerweile ist so viel mehr daraus geworden: femergency ist ein Aufklärungsunternehmen, das versucht, die Struktur zu ändern und nachhaltig Verbesserungen für Menstruierende zu schaffen.

    Mein eigenes Leben war tatsächlich immer eher ein Beiprodukt meines Unternehmens – auch wenn ich heute das Gefühl habe, dass ich vorlebe, was ich vermittle.“

    Fehler, über die kaum jemand spricht

    Female Power: Wenn du auf deinen Businessaufbau zurückblickst: Was waren deine größten Fehlentscheidungen oder Dinge, die du komplett unterschätzt hast?

    Sissi:
    „Ich bin der Meinung, dass manche Fehler gemacht werden müssen. Aber zwei Dinge hätte ich mir im Nachhinein gerne erspart.

    Einerseits habe ich sehr impulsiv gegründet, weil ich unbedingt den 28.5., also den Weltmenstruationstag, als Gründungsdatum haben wollte. Mein ursprünglicher Plan war eigentlich, das Unternehmen neben meiner Anstellung aufzubauen. Im Endeffekt habe ich mich mit dieser frühen Gründung aus vielen Förderungen ausgeschlossen.

    Der zweite Punkt: Ich dachte, sobald mein Onlineshop live ist, werden mir die Leute die Türen einrennen. Ich habe sogar ein Lager vorbereitet, damit ich direkt Bestellungen verschicken kann. Die Realität war aber, dass mir der komplette Bestand abgelaufen ist.

    Ich habe extrem unterschätzt, wie viel Marketing notwendig ist – und vor allem, wie viel Arbeit in Content steckt.“

    „Es liegt nicht an uns – es ist das System“

    Female Power: Warum glaubst du, dass viele Frauen im Business kämpfen – liegt es an ihnen oder am System, in dem wir arbeiten?

    Sissi:
    „Definitiv am System. Gerade im Arbeitskontext ist der Zyklus ein Tabuthema. Frauen haben sich ihren Platz hart erkämpft und wollten zeigen, dass sie genauso leistungsfähig sind wie Männer. Deswegen wurden diese Themen lange nicht angesprochen.

    Aber es geht über die Arbeitswelt hinaus. Schon in der Schule lernen wir nichts über unseren Zyklus. Ohne dieses Wissen denken viele Frauen, dass das Problem bei ihnen liegt. Das führt zu Frust, Stress und verstärkt sogar Symptome wie PMS oder Schmerzen.

    Dazu kommt, dass viele zyklusbedingte Erkrankungen wie Endometriose oder PCOS kaum erforscht sind. Das sind strukturelle Probleme, die die Realität von menstruierenden Menschen einfach ignorieren.“

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    So sieht zyklusbasiertes Arbeiten wirklich aus

    Female Power: Wie setzt du zyklusbasiertes Arbeiten heute konkret in deinem Business um – gerade wenn trotzdem Umsatzdruck da ist?

    Sissi:
    „Ich arbeite zyklusbewusst – dort, wo es realistisch ist. Meetings oder Präsentationen kann man nicht immer nach dem eigenen Zyklus planen.

    Aber alles, was ich beeinflussen kann, nutze ich entsprechend meiner Energie. Rund um meinen Eisprung habe ich eine Content-Fokuswoche, in der ich den gesamten Content für einen Monat produziere.

    In der Lutealphase konzentriere ich mich auf strategische und strukturelle Themen. Während meiner Menstruation mache ich eher organisatorische Aufgaben oder plane voraus.

    Es geht für mich nicht um Perfektion. Jede kleine Anpassung ist ein Schritt in Richtung zyklusbasiertes Arbeiten.“

    „Die Arbeit ist nie fertig – aber dein Körper hat Grenzen“

    Female Power: Was würdest du einer Frau sagen, die gerade ein Business aufbaut – aber merkt, dass sie sich selbst dabei komplett übergeht?

    Sissi:
    „Gerade in der Selbstständigkeit haben wir die Möglichkeit, flexibler zu arbeiten. Gleichzeitig weiß ich selbst, wie viel Arbeit in der Aufbauphase steckt.

    Aber die Arbeit ist nie wirklich fertig. Und wenn ich dabei meinen Körper übergehe, schade ich meinem Business langfristig.

    Ich setze mir deshalb ein klares Tagesziel. Wenn ich das erreicht habe, bin ich fertig. Alles darüber hinaus ist ein Bonus.

    Mir ist auch aufgefallen, dass sich das je nach Zyklusphase komplett unterschiedlich anfühlt. In einer Phase wirkt ein Ziel klein – in einer anderen ist es absolut ausreichend.

    Und genau da liegt die Erkenntnis: Es hat nichts mit meiner Leistung zu tun, sondern damit, in welcher Phase ich gerade bin.“

    Vielleicht liegt es nicht an dir

    Vielleicht bist du nicht:

    • zu wenig diszipliniert
    • zu emotional
    • nicht gemacht für Selbstständigkeit

    Vielleicht arbeitest du einfach gegen dich.

    Und genau da beginnt Veränderung.

    Quellangaben:

    Fotos von Sissi by Olivia Laura